Solingen

Stimmen zum Jugendforum in Solingen:

„Ich wurde durch einen Flyer angelockt. Und da ich mich sozial engagieren möchte, war das eine gute Gelegenheit. Es ist wichtig, Jugendliche über solche Möglichkeiten zu informieren. Für mich ist es eine Ehre, für die Solinger Jugend zu sprechen.“
Merve, 17

„Ich wollte auch mal meine Meinung sagen und ich glaube, dass wir hier etwas bewirken können. Eigenständige Jugendpolitik ist wichtig, weil auch die Jugend was zu sagen hat. Wir müssen gehört werden. Und dann muss aber auch etwas umgesetzt werden.“
Mustafa, 17

„Das Miteinander hier muss besser funktionieren. Dieses Denken - der ist Türke, die ist Deutsche - kann ich nicht verstehen und möchte ich auch nicht. Die anderen Teilnehmenden konnten das auch nicht. Unsere Meinung ist, dass mehr Veranstaltungen stattfinden sollten, auf denen sich Kulturen kennenlernen. Ich würde bei der Organisation sofort mithelfen.“
Sidal, 15

 „Als Jugendstadträtin bin ich natürlich verpflichtet, hierhin zu kommen. So eine Veranstaltung ist wichtig, weil man hier alles ansprechen kann. Mich interessiert, ob wir etwas in der Schule verändern können. Ich werde mich dazu auch mal mit unserer Schülersprecherin in Verbindung setzen.“
Bera, 16

Nicht in die Tüte, sondern darauf! – Jugend fordert Veränderungen in Solingen

Hitzige Debatten mit Papiertüten und Wachsmalstiften? In Solingen findet im Rahmen von „umdenken - jungdenken“ ein etwas anderes Jugendforum statt: ein künstlerischer Politikdialog.

Was sie diskutieren wollen, haben die Jugendlichen selbst bestimmt. Und es sind einige Themen, die sie beschäftigen: Bildung, kulturelle Projekte, Umwelt, eine Stadt ohne Rassismus und Vorurteile, doppelte Staatsbürgerschaft und der Weltfrieden. Ihre Anliegen und Forderungen positionieren sie kunstvoll auf Papiertüten. Und dafür werden einige verbraucht.

Denn schnell wird klar, dass es noch viel zu tun gibt. So sind zum Beispiel Alltagsrassismus und Vorurteile noch immer an der Tagesordnung. Das fängt bereits bei der Hautfarbe an. Die Jugendlichen diskutieren, warum beispielsweise an der Hautfarbe als erstes die Nationalität abgelesen wird. Und warum sie immer im Vordergrund stehen muss. Hatice, 16 Jahre, fragt in die Runde: „Warum sollte ich in Hautfarben denken? Das tue ich nicht.“

„Für mich ist der Mensch einfach nur Mensch“, ergänzt der 20-jährige Mounaim. Sie alle fordern eine Stadt ohne Rassismus und Vorurteile. Zwar sei Selbstkritik natürlich immer gefragt, aber das allein helfe nicht. Aufklärungsarbeit müsse her. Und deswegen finden sie, solle das Thema vor allem in der Schule stärker verankert werden. Im Politikunterricht könne über Demokratie und Prinzipien von Rassismus gesprochen werden. Der Religionsunterricht müsse zudem radikal geändert werden: Die Jugendlichen fordern eine Religionsklasse, in der alle Religionen in einem gemeinsamen Unterricht behandelt werden. So können ein Austausch zwischen den Schülerinnen und Schülern stattfinden. Und ausgeschlossen oder fehlen würde so keine Religion mehr.

Solingen muss wachgerüttelt werden

Fehlen dagegen kann der Müll. In Solingen liegt zu viel herum, finden die Jugendlichen. Eine einfache und pragmatische Lösung gibt es auch schon: Mehr Mülleimer an sinnvollen Stellen in der Stadt. Das denkt auch Pia. Die 17-Jährige ist überzeugt, dass in Sachen Umwelt noch viel verändert werden kann. Auch in den Schulen, von denen Pia enttäuscht ist: „In vielen Schulen gibt es noch immer keine Mülltrennung. Und dabei haben sie eine Vorbildfunktion.“

Schlechte Noten geben die Teilnehmenden dem Bildungssystem. Sie finden, dass die Stundenpläne schlecht gemacht sind, und dass wesentliche Inhalte fehlen. So fordern sie einen Unterricht, der sie auf den Alltag nach der Schule vorbereitet. Und sie wollen bei der Gestaltung von Stundenplänen mitwirken.

Aber auch im Bereich Freizeit gibt es noch einiges zu tun. Zwar würde für Jugendliche in Solingen viel angeboten, doch werde häufig schlecht oder über die falschen Kanälen geworben. 

Dialog soll weitergehen

Vielleicht kann diese kunstvolle Politik die Stadt wachrütteln. Denn alle Forderungen der Jugendlichen werden gemeinsam mit denen aus anderen Projekten unter dem Motto „Let‘s do democracy“ in einer großen Installation verarbeitet. Das Gesamtwerk wird im Frühjahr 2014 in Solingen zu sehen sein und im Anschluss als Wanderausstellung auf Tour gehen. Ganz im Sinne des Künstlers und Schirmherren Thitz soll so jugendpolitischen Themen Aufmerksamkeit ermöglicht werden.

Der Solinger Jugenddezernent und Stadtdirektor, Hartmut Hoferich, ist begeistert: „Ich weiß nicht, ob diese Tüte das zentrale Kunststück ist, aber ich  würde sie gerne ausleihen und in meinem Büro aufhängen.“ Zumindest eine Person haben die Jugendlichen in Solingen schon überzeugt. Denn Hoferich plant, gemeinsam mit den Jugendlichen über die besprochenen Themen nachzudenken.

Bilder:

Aus Solingen berichteten:

Christina Heuschen (Text und Interviews) und Esther Merkelt (Fotos)

TERMIN JUGENDFORUM

9. November 2013 14.00 - 20.00 Uhr

ORT

Haus der  Jugend

Dorper Straße 10 - 16
42651 Solingen

Tel.: 0212-593300

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Veranstalter

AWO Arbeit & Qualifizierung gGmbH Solingen
Außenstelle JUMP IN

Konrad-Adenauer-Str. 66
42651 Solingen

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In Kooperation mit:
Jugendstadtrat Solingen
Stadtjugendring
Jugendförderung
Bürgerverein Rund um die Zietenstraße e.V.
Karl Jugendredaktion Solinger Tageblatt
Bezirksschülervertretung

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