Fachkongress 2012

Fachkongress zur Eigenständigen Jugendpolitik

Landtagsabgeordnete, Vertreterinnen und Vertreter von Ministerien, Jugendämtern, aus Wissenschaft und Forschung sowie den 25 im Landesjugendring NRW zusammengeschlossenen Jugendverbänden trafen sich am 26.09.2012 in Essen zu einem eintägigen Fachkongress. Diskutiert wurden der Stand und die weitere Umsetzung der Eigenständigen Jugendpolitik in Nordrhein-Westfalen.

Um 10 Uhr eröffnete Alexandra Horster, Vorsitzende des Landesjugendrings NRW, die Veranstaltung. 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von rund 130 Organisationen/Institutionen waren an diesem Tag ins Oktogon/Zeche Zollverein gekommen. In ihrer Begrüßung wies sie auf die vielfältigen Chancen hin, die eine Eigenständige Jugendpolitik bietet. „In den Jugendministerien standen in den letzten Jahren Kinderthemen hoch im Kurs. Jetzt setzt sich zum Glück die Erkenntnis durch, dass Jugendliche nicht nur eigene Bedürfnisse, sondern auch viele frische Ideen haben, die helfen können, Zukunftsprobleme zu lösen“, so Horster.

Es folgte der Vortrag „Ressourcen für Perspektiven schaffen! Herausforderungen und Aufgaben einer Politik für junge Leute“ von Professor Richard Münchmeier, früher Leiter der Abteilung Jugend- und Jugendhilfeforschung am Deutschen Jugendinstitut in München und heute Emeritus im Ruhestand im Fachbereich Erziehungswissenschaften an der FU Berlin. Er wies auf die Chancen der Einbeziehung junger Menschen und Ideen in die Politik hin, forderte aber auch, dafür der Jugendarbeit die notwendigen Ressourcen bereitzustellen. Münchmeier warnte davor, Events von Politikern mit jungen Menschen als Ersatz für gelebte Partizipation und politische Bildung mit praktischen Erfahrungen anzusehen, wie sie zum Beispiel die Jugendverbände seit Bestehen der Bundesrepublik konsequent praktizieren und weiterentwickeln. „Politisches Denken und Handeln muss gelernt und eingeübt werden. Sinnvolle Beiträge zu demokratischen Prozessen setzen die Auseinandersetzung mit Fakten und gesellschaftlichen Entwicklungen voraus. Das können junge Menschen am besten in selbstorganisierten Gruppen erfahren, die ihnen das Bildungssystem und die kommerzialisierte Freizeitwelt in Deutschland leider heute immer mehr vorenthält,“ konstatierte der Jugendforscher Münchmeier.

Mit einer programmatischen Rede wandte sich die nordrhein-westfälische Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, Ute Schäfer, die zugleich Schirmherrin der Initiative ist, an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachkongresses. „Jugendpolitik ist mehr als Schutz und Hilfe für junge Menschen, sie muss in alle Lebensbereiche Jugendlicher hineinwirken“, erläuterte Schäfer.

In einem ersten Podiumsgespräch traf Ministerin Schäfer mit Professor Münchmeier auf Klaus Waldmann, 2006 bis 2009 Mitglied des Bundesjugendkuratoriums und Bundestutor der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung. Das Bundesjugendkuratorium hatte als Sachverständigengremium der Bundesregierung 2009 die Umsetzung einer „Eigenständigen Jugendpolitik“ gefordert. Für alle Jugendlichen, ressortübergreifend sollte sie sein und damit „kohärent“, erläuterte der Mitverfasser der Stellungnahme, auf die sich heute Bundes- und Landespolitik bei einem Neustart in der Jugendpolitik beziehen.

Den Kern des Zusammentreffens im Oktogon, Zeche Zollverein, an dem auch Abgesandte der Jugendkonferenz #jukon2012 der Landesregierung teilnahmen, bildeten acht Workshops zu Politikthemen, die junge Menschen betreffen. Bildung, Arbeit, Verkehr, Rechtsextremismus, Beteiligung, Stadtentwicklung, Umwelt, Inklusion und Integration sowie Ehrenamt sind beispielhafte Themenfelder, in denen der Landesjugendring NRW gemäß des im rot-grünen Koalitionsvertrag erwähnten Konzepts einer Eigenständigen Jugendpolitik die Berücksichtigung der Bedürfnisse und Ideen Jugendlicher einfordert.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurde anschließend in kurzer und lebendiger Form im Plenum präsentiert. Im Laufe des Oktobers werden sie aufbereitet hier auf der Seite vorgestellt. Zudem wird eine Kongress-Dokumentation produziert.

Nach der Präsentation folgte eine weitere Podiumsdiskussion. Die Frage lautete: „Was haben uns junge Menschen zu sagen und wie kommen wir – mit ihnen und anderen Partnern – zu einer Eigenständigen Jugendpolitik?“
Interessante Ideen und Ansätze für die praktische Umsetzung ergab die Diskussion mit Prof. Klaus Schäfer (Staatssekretär im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport), Sophie Karow (Sprecherin Grüne Jugend NRW), Simon Schnetzer (Autor der Studie "Junge Deutsche) und Gesa Zollinger (Vorsitzende BDKJ Aachen)

Zum Abschluss der Veranstaltung dankte Landesjugendring-Vorsitzende Alexandra Horster unter großem Beifall Prof. Klaus Schäfer für seine geleistete Arbeit. Schäfers Amtszeit endete zum 30.09.2012. Für die Zeit im Ruhestand wünschte sie ihm im Namen aller Anwesenden alles Gute.

Weiter Bilder vom Kongress finden sich hier.