Reloaded

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Vom 26. bis 28. September 2014 sind rund vierzig junge Menschen zusammengekommen, um sich weiter mit den Forderungen des Jugendkongresses 2014 auseinanderzusetzen. Dabei standen zwei Fragen im Mittelpunkt: Was hat die Politik in der Zwischenzeit getan? Was bedeuten die Forderungen und wie können sie umgesetzt werden?

Ministerin Schäfer im Quiz

Ministerin Ute Schäfer besuchte die Jugendlichen und erklärte in einer Rede die weiteren Pläne der Landesregierung zur Umsetzung einmischender Jugendpolitik. Danach stellte sie sich in einem Quiz provokativen Wissensfragen zu vier unterschiedlichen Forderungen und kam mit jungen Menschen dazu ins Gespräch. Die Fragen beschäftigten sich mit der bundesweiten Abschaffung der Residenzpflicht für Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus, mit Intensivtierhaltung, dem Öffentlichen Nahverkehr und der Sinnhaftigkeit von Hausaufgaben. Am Ende des Quiz, bei dem die Jugendlichen ihr auch als Expert/innen, Publikums- und Telefonjoker zur Seite standen, wurde sie von der Gruppe als „Jungdenkerin“ ausgezeichnet und bekam als Symbol für das wichtige Thema der Freiräume Samenkugeln geschenkt, mit denen auch an den unfreundlichsten Orten Blumen wachsen.

Freiräume in der Duisburger Innenstadt

Neben den Debatten konnten die Jugendlichen sich am Samstag auch kreativ ausdrücken und sprühten mit Kreidespray und Unterstützung eines professionellen Sprayers das Logo des „Bündnis für Freiräume“ und ihre Forderungen rund ums Thema vor das Duisburger Rathaus.

Workshops

Die Jugendlichen beschäftigten sich insbesondere mit den drei Schwerpunkten „Infrastruktur“, „Freiräume“ und „Bildung“, die durch die Verbände Westfälisch-Lippische Landjugend, Sportjugend und SJD-Die Falken angeboten wurden. Dabei waren die Forderungen des Jugendkongresses 2014 die Grundlage der Debatte.

Infrastruktur: Wie jugendgerecht ist unser Öffentlicher Nahverkehr?

Im Workshop Infrastruktur erarbeiteten die jungen Menschen Ideen zu Verbesserung von Effizienz und Qualität des ÖPNV. Wichtig war ihnen insbesondere, dass die Haltestellen barrierefrei und sicher sind und die Fahrpläne besser an die Bedürfnisse junger Menschen angepasst werden. Aber auch die Vereinheitlichung und Transparenz des Tarifsystems würden junge Menschen als wesentliche Verbesserung empfinden. Die ehrenamtlich Engagierten beklagen zudem, dass die Fahrtpreise des ÖPNV den Zugang zum Ehrenamt erschweren. Sie bekräftigten die Forderung des Jugendkongresses nach einem Ehrenamtsticket. Ein Ehrenamtsticket kann z.B. bedeuten, dass Menschen mit Jugendleiter/innencard (JuLeiCa) Vergünstigungen bekommen. Die JuLeiCa erhalten Ehrenamtliche nach der Absolvierung einer Ausbildung zu unterschiedlichen vorgegeben und trägerspezifischen Modulen. Aber die Teilnehmer/innen fanden auch: Der ÖPNV muss insgesamt für Menschen in Ausbildung günstiger werden, auch die Nutzung der Deutschen Bahn. Hier ist das NRW-Ticket für Studierende ein gutes Vorbild.

Am Sonntag diskutieren die jungen Menschen ihre Ideen mit den verkehrspolitischen Sprechern Reiner Breuer (SPD), Holger Ellerbrock (FDP) und Oliver Bayer (Die Piraten). Die Politiker begrüßten die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema und versprachen, einige der Forderungen mitzunehmen. Sie verwiesen allerdings auch darauf, dass neben der Landesebene auch die Bundesebene in der Verantwortung stehe, die Finanzierung zu sichern.

Bildung: Wie wollen wir lernen?

Neben jugendgerechter Bildung, die junge Menschen freiwillig in Jugendverbänden und an anderen Orten erleben, gibt es einen wesentlichen Bildungsort, den alle besuchen müssen: die Schule. Hier können Jugendliche immer noch viel zu wenig mitbestimmen und fühlen sich häufig unter Druck gesetzt. Die Jugendlichen bestärkten die Forderung des Jugendkongresses nach einem größeren Praxisbezug an der Schule und nach der Mitbestimmung über die Lerninhalte durch die Schülerinnen und Schüler. Zusammen mit einem Experten aus der LandesschülerInnenvertretung erarbeiteten sie, was schon gesetzlich möglich ist, aber an vielen Schulen nicht ausreichend umgesetzt wird, und wo es noch weitere Veränderungen braucht. Eine besonders wichtige Frage: Wie sinnvoll sind Hausaufgaben und wie viele sollte es geben? Und: wie kann ich neben der Schule auch noch andere Erfahrungen machen, z.B. meinen Lieblingssport.

Ihre Ergebnisse diskutierten sie mit Gudrun Zentis (Die Grünen), Monika Pieper (Die Piraten) und Barbara Hendricks (SPD) aus dem Schulausschuss des Landtages sowie mit Staatssekretär Ludwig Hecke aus dem Schulministerium. Am Ende fand ein gemeinsamer Austausch mit den Politiker/innen statt, die den Freiräume-Workshop besucht hatten.

Freiräume für junge Menschen!

Im Freiräume-Workshop diskutierten junge Menschen, was für Veränderungen es braucht, damit sie wieder mehr Freiräume haben. Ein wichtiges Thema war hier wie auch im Bildungs-Workshop die Frage der Hausaufgaben. Wie viel Zeit soll maximal für Hausaufgaben draufgehen dürfen? Braucht es im Ganztag überhaupt Hausaufgaben? Darüber hinaus verstanden die jungen Menschen das Thema Freiräume auch als Freiräume der Mitbestimmung. Hier setzten sie sich intensiv damit auseinander, wie Mitbestimmung kommunal organisiert werden könnte. Sie forderten einen Jugendcheck, die Beteiligung junger Menschen an Ausschüssen und Stadträten und jugendgerechte Programme. Auch politische Bildungsprojekte wie die U18-Wahl beschrieben sie als positive Beispiele.

In die Debatte mit den Jugendlichen begaben sich Ina Scharrenbach (CDU), Ingrid Hack (SPD) und Staatssekretär Bernd Neuendorf aus dem Jugendministerium.

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